Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)

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​​​​Die Hypophyse ist ein bohnengrosses Organ, das unmittelbar hinter der Nasenwurzel an der Basis des Hirns liegt, eingebettet in den knöchernen (Türken-)Sattel, die sella​ turcica. Ein kleiner Stiel, der sogenannte Hypophysenstiel, verbindet die Hypophyse mit dem Hypothalamus. Der Hypothalamus seinerseits ist eine Region an der Basis des Gehirns, welche die Hypophyse in ihrer Aktivität steuert.

Die Hypophyse produziert wie auch andere Drüsen im Körper Hormone. Hormone sind chemische Botenstoffe, welche verschiedene Körperfunktionen regulieren. Dazu gehören die Steuerung von Knochen- und Muskelwachstum, der sexuellen Entwicklung, des Stoffwechsels und der Bereitschaft des Körpers, sich gegen Krankheit und Stress einzustellen.

Normalerweise gibt die Hypophyse Hormone entsprechend den Bedürfnissen des Körpers in den Blutkreislauf ab. Damit gelangen diese chemischen Botenstoffe zu anderen Körperorganen. Wenn sie im richtigen „Briefkasten“ angekommen sind, werden in den Empfängerorganen bestimmte Prozesse ausgelöst. In einigen dieser Zielorgane wird die Produktion weiterer Hormone angeregt. Diese können auf Herz, Kreislauf, Leber, Muskulatur, Knochen und Haut sowie auch auf das Gehirn wirken. Dort regulieren sie unter anderem Funktionen im Bereich des Hypothalamus und der Hypophyse. Diese Rückkoppelung schliesst den Regelkreis und erlaubt eine optimale Anpassung an die Bedürfnisse des Körpers.

Hormone der Hypophyse

Wachstumshormon (GH: growth hormone)
Das Wachstumshormon steuert (via IGF-1: insulin-like growth factor 1) das Wachstum und die Körperlänge. Auch nach Abschluss des Längenwachstums beeinflusst das Wachstumshormon den Fett- und Zuckerstoffwechsel, die Muskulatur und die Knochen. Ein Überschuss oder ein Mangel an Wachstumshormon führt je nach Alter zu spezifischen Krankheitsbildern (siehe auch Akromegalie, Kleinwuchs).

Prolaktin
Das Prolaktin fördert die Entwicklung der Brust (zusammen mit den weiblichen Geschlechtshormonen, den Oestrogenen) und die Milchproduktion. Eine Ueberproduktion von Prolaktin beeinträchtigt bei beiden Geschlechtern die Fruchtbarkeit und die Produktion von Geschlechtshormonen; bei Frauen kommt es zu Zyklusstörungen und störendem Milchfluss, bei Männern zu Libidoverlust und Erektionsstörungen (siehe auch Hypogonadismus).

Follikel-stimulierendes Hormon (FSH) und luteinisierendes Hormon (LH)
Sowohl LH als auch FSH regulieren die Funktion der weiblichen und männlichen Geschlechts- (oder Keim-)drüsen (Eierstöcke und Hoden; Gonaden). LH/FSH steuern bei Frauen den Menstruationszyklus und Eisprung, bei Männern die Testosteron- und Spermienproduktion. Ein LH/FSH-Mangel führt zum Hypogonadismus (siehe unten).

Thyreoidea-stimulierendes Hormon (TSH)
Das TSH stimuliert die Schilddrüse und regt die Produktion von Schilddrüsenhormonen an. Ein TSH-Mangel führt zu einer Unterfunktion der Schilddrüse (siehe auch Hypothyreose).

Adrencorticotropes Hormon (ACTH)
ACTH steuert die Funktion der Nebennieren und fördert die Produktion von Cortisol. Ein Überschuss oder ein Mangel führen zu schwerwiegenden Erkrankungen (siehe Abschnitt Nebenniere).

Anti-diuretisches Hormon (ADH)
ADH wird im Hypothalamus produziert und im Hinterlappen der Hypophyse gespeichert und bei Bedarf freigesetzt. ADH bewirkt eine vermehrte Rückgewinnung von Wasser in den Nieren und steuert somit die Menge der Urinausscheidung. Ein Mangel oder ein Überschuss an ADH führt zu einer stark gesteigerten (Diabetes insipidus) bzw. verminderten (SIAD: Syndrom der inadaequaten Antidiurese) Wasserausscheidung, damit oft (falls die Wasserzufuhr dazu nicht genau abgestimmt erfolgen kann) zu erhöhten oder verminderten Natriumkonzentrationen im Blut.

Unter- und Ueberfunktion der Hypophyse

Die Unterfunktion der Hypophyse kann einzelne, mehrere oder alle Hormone der Hypophyse und die davon abhängigen Drüsen betreffen (partielle oder komplette Hypophysen-Insuffizienz) und daher zu unterschiedlichen Krankheitsbildern und Symptomen führen. Die Ursachen einer Unterfunktion der Hypophyse sind vielfältig und umfassen verschiedene (meist) gut- und (selten) bösartige Tumoren, Entzündungen, Bestrahlung, Einblutung oder Trauman/Unfälle. Die mangelnde Produktion von Hormonen führt häufig zu mehr oder weniger spezifischen Beschwerden und Symptomen, vor allem natürlich, wenn auch die Produktion vital essentieller Hormone beeinträchtigt ist (siehe Tabelle).

Eine Überproduktion von Hypophysen-Hormonen ist seltener; dafür sind meist gutartige Tumoren, sogenannte Adenome, verantwortlich.  In Abhängigkeit der jeweiligen Hormone sind verschiedene Krankheitsbilder bekannt, so etwa der Morbus Cushing (Überproduktion von ACTH in der Hypophyse und daher Überproduktion von Cortisol durch die Nebennieren) und die Akromegalie (Überproduktion von Wachstumshormon, GH und damit Überschuss auch von IGF-1). Falls keine Manifestationen eines Hormonüberschusses fassbar, spürbar und sichtbar werden, bezeichnet man diese Adenome als klinisch endokrin inaktiv (NFA: non functioning adenoma).        

​Hormonmangel
​Hormonüberschuss

Die Abklärung bei Verdacht auf einen Hormon-Mangel oder -Überschuss umfasst eine detaillierte Erfassung der Vorgeschichte, eine Erhebung der Beschwerden und eine körperliche Untersuchung. Je nach Ausgangslage erfolgen zusätzlich Hormon-Bestimmungen im Blut, Speichel oder Urin.  Ergänzend wird häufig ein hochauflösendes MRI durchgeführt.

Die Behandlung besteht (falls möglich, im Idealfall) in der Behebung der Ursache oder zumindest einer Kontrolle, beispielsweise in einer operativen Entfernung von gutartigen Tumoren oder einer medikamentösen Therapie bei Prolaktinom.  Die Behandlung einer Unterfunktion der Hypophyse besteht im Ersatz der fehlenden Hormone (Cortisol, Schilddrüsen- und Geschlechtshormone, ev auch Wachstumshormon). Die Indikation für eine Ersatztherapie wird für jede Patientin und jeden Patienten individuell gestellt und berücksichtigt verschiedene Aspekte (Alter, Geschlecht, Kinderwunsch und viele mehr). Im Rahmen der empfohlenen Verlaufskontrollen wird die Dosis der jeweiligen Situation angepasst, um eine Unter- oder Ueberversorgung zu verhindern.

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