Adipositastherapie

​​Die Therapie der Adipositas sollte individuell auf Patienten zugeschnitten werden und die verschiedenen Aspekte der Geschichte des Patienten und bereits erfolgter Therapiekonzepte beinhalten.

Die verschiedenen Formen der Adipositastherapie lassen sich grundsätzlich in die folgenden Bereiche einteilen:

  1. Therapie mittels Lifestylemassnahmen: Ernährung und körperliche Aktivität
  2. Medikamentöse Therapie
  3. Chirurgische Massnahmen

Im Folgenden werden diese Massnahmen kurz erläutert. Für Patienten erstellte Therapiekonzepte verfolgen meist das Ziel, verschiedene Modalitäten zu kombinieren.

Therapie mittels Lifestylemassnahmen

Eine zeitgemässe Instruktion durch eine professionelle Ernährungsberatung, die mehr einem Coaching als einer rein theoretischen Belehrung gleicht, umfasst alle Aspekte des individuellen Energiehaushaltes – das heisst sowohl Themen der richtigen, gesunden Ernährung, als auch solche rund um körperliche Aktivität. Nur Programme, welche gleichzeitig beide Themenkreise adressieren, können langfristig erfolgreich sein. Zentral ist hierbei, dass keine zeitlich beschränkte „Diät“ durchgeführt wird, sondern dass Massnahmen ergriffen werden, welche für den Patienten auch langfristig umsetzbar sind.

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Die Inhalte der Ernährungsberatung bestehen unter anderem aus dem Vermitteln einer ausgewogenen Nahrungszufuhr, bei welcher kalorienreiche, oft mikronährstoffarme (v.a. kohlenhydrat- und fettreiche) Produkte durch kalorienärmere, mikronährstoffreichere – wozu vor allem Obst- und Gemüse gehören – ersetzt werden. Auch Essverhalten, -geschwindigkeit und -häufigkeit (Zwischenmahlzeiten) werden hier besprochen und sinnvolle Ernährungspläne aufgesetzt. Regelmässige Beratungstermine sollen gewährleisten, dass die besprochenen Inhalte auch umgesetzt werden können. An unserer Klinik machen wir auch gute Erfahrungen mit einem Gruppenkurs – regelmässige Treffen in der Kleingruppe werden von vielen Patienten als hilfreich und motivierend empfunden.

Solche Programme sind nicht bei allen, aber doch bei einem substantiellen Anteil von Patienten erfolgreich. Dies konnte etwa auch eine neuere grosse Studie über zwei Jahre zeigen, in welcher ein Programm mit regelmässiger persönlicher Beratung und Support von Patienten mit Adipositas geprüft wurde. Sowohl der Anteil der Patienten, welche mehr als 10% des Körpergewichtes abnehmen, als auch derer, die 5-10% des Körpergewichtes abnehmen, konnte je verdoppelt werden (von je ca. 10% in der Kontrollgruppe auf ca. 20% in der Interventionsgruppe.

Medikamentöse Therapie

Die Auswahl an sicheren, auch langfristig ohne wesentliche Nebenwirkungen anwendbaren Medikamenten zur Gewichtsreduktion ist nicht gross. Zudem ist es wichtig, dass medikamentöse Therapien nicht isoliert angewendet werden, sondern immer zusammen mit Massnahmen der Veränderung des Lebensstils.

Die heute in der Schweiz zur Gewichtsreduktion zugelassenen Medikamente sind in erster Linie

  1. Orlistat (Xenical®): Orlistat ist ein Medikament, welches die Fettresorption im Darm hemmt. Fett wird vermehrt mit dem Stuhl ausgeschieden und kann so durch den Körper nicht zur Speicherung in Fett-Depots im Körper verwendet werden.

  2. Liraglutid (Saxenda®): Liraglutid wurde ursprünglich zur Behandlung von Patienten mit Diabetes entwickelt, ist heute aber auch als gewichtsreduzierendes Medikament im Einsatz. Es wirkt durch verschiedene Mechanismen, so etwa wird durch direkte zentrale Wirkungen im zentralen Nervensystem das Sättigungsgefühl erhöht. Zudem wird auch die Entleerung des Magens reduziert, was zusätzlich das Sättigungsgefühl erhöht.

Die genannten Medikamente sind rezeptpflichtig und werden durch den Arzt verschrieben.

Chirurgische Massnahmen

Wenn konservative Mittel (Lebensstiländerungen, medikamentöse Therapie) über eine Zeit von mindestens zwei Jahren der Anwendung nicht zu einer Reduktion des Körpergewichts geführt haben, und zudem ein BMI von mehr als 35kg/m2 (Adipositas Grad II) vorliegt, sollten auch chirurgische Massnahmen besprochen werden.

Die langfristige Prognose hinsichtlich Gewichtsreduktion ist bei der bariatrischen Chirurgie sehr gut. Zahlen neuster Übersichtsarbeiten zeigen, dass mit den aktuellen bariatrischen Verfahren Magen-Bypass und Schlauchmagen in praktisch allen Studien eine längerfristige Reduktion des Übergewichtes von über 50% erreicht wird.

Sowohl Vorabklärung als auch Durchführung der bariatrischen Chirurgie finden von Vorteil an einem Zentrum statt, welches über eine grosse diesbezügliche Erfahrung sowie ein interdisziplinäres Adipositas-Team verfügt. Es konnte etwa gezeigt werden, dass der postoperative Verlauf hinsichtlich Komplikationen oder Re-Operationen ganz eng mit dem chirurgischen Können des Operateurs korreliert. Neben der genauen Überprüfung der Indikation ist eine adäquate Vorabklärung der Patienten betreffend allfälliger Risikofaktoren hinsichtlich bariatrischer Chirurgie – wie etwa Schlaf-Apnoe-Syndrom, Blutgerinselneigung, Herzkreilauf-Gesundheit – von grösster Wichtigkeit, kann doch dadurch die Komplikationsrate während und nach der Operation entscheidend gesenkt werden.

Schlussendlich sollte jeder Patient, bei welchem eine bariatrische Intervention erwogen wird, wissen, dass eine lebenslange Nachbetreuung sowie regelmässige Kontrollen des Makro- und Mikronährstoffhaushaltes (mit entsprechender Supplementierung) unumgänglich ist. Nur so kann eine langfristige Gesundheit mit minimalem Risiko für Spätkomplikationen gewährleistet werden.

Adipositastherapie (3).jpgAbbildung 1. Schematische Darstellung der häufigsten bariatrischen Operationen Magenbypass (links) und Schlauchmagen (rechts).